Fürth: Anzahl der Multi-Jobber um über 50 Prozent angestiegen (25.04.13)

Eine Untersuchung des Hannoveraner "Pestel Institut" zeigt eine besorgniserregende Entwicklung auf. Immer mehr Menschen müssen einen Zweit-Job neben ihrer regulären Tätigkeit annehmen, um sich ein sicheres Auskommen zu gewährleisten.

Die Zahl dieser Multi-Jobber ist in der jüngsten Vergangenheit drastisch angestiegen. Bundesweit ist die Zahl derer, die sich mit einem Minijob als Nebenbeschäftigung über Wasser halten müssen, um 122 % gestiegen, also quasi "explodiert".

8.523 Menschen in Fürth betroffen

Auch in Fürth tritt diese Negativentwicklung drastisch zutage. Ein Arbeitsplatz alleine bietet heute keine Sicherheit mehr, alle finanziellen Hürden zu überwinden. Die Zahl der Kleeblattstädtler, welche nach ihrer Arbeit noch zu einer zweiten Tätigkeit hetzen müssen, ist in Fürth vom Jahr 2003 bis 2012 um 2.485 Betroffene auf insgesamt 4.540 gestiegen. Im Landkreis Fürth ist ebenfalls ein Anstieg zu beobachten. Hier standen im vergangenen Jahr 3.983 Menschen in einem zweiten Arbeitsverhältnis (2003: 1.774). Dies sind immerhin acht Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitskräfte.

Vorallem in Bayern und Baden Württemberg reicht ein Job oft nicht zum leben

Der erschreckende Trend ist bundesweit zu beobachten. Vor allem jedoch in den Bundesländern Bayern und Baden Württemberg (über 11 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten), was den Schluss zulässt, dass sich die Einwohner der gutsituierten Länder das Leben dort oft nur mit einem Zweit-Job leisten können.

Der Verfasser der Studie Matthias Günther zieht das Fazit:

Der seit mindestens 15 Jahren unzureichende Inflationsausgleich führte zusammen mit der stetigen Ausweitung von Teilzeit- und Minijobverhältnissen und der damit verbundenen Arbeitszeitverkürzung (ohne Lohnausgleich) zu einer wachsenden Notwendigkeit der Aufnahme von Zweitjobs. Das geringere Niveau in Ostdeutschland dürfte eher den Mangel an Jobangeboten widerspiegeln als eine geringere Nachfrage seitens der potenziellen Zweitjobber. [1]

Ein Mindestlohn muss her!

Dieser asozialen Entwicklung muss ein Riegel vorgeschoben werden. Ein flächendeckender Mindestlohn muss eingeführt werden. Dieser sollte jedoch höher als die von den Gewerkschaften geforderten 8,50 Euro liegen. Selbst der jüngste Armutsbericht der Bundesregierung weist aus, dass die Niedriglohngrenze in Deutschland pro Stunde mit gut 9,15 Euro beziffert werden kann. Erst wenn jeder wieder durch seine (Haupt-)Arbeit ein sicheres Einkommen besitzt, dass ihn und seiner Familie einen annehmbaren Lebensstandard gewährt, sind Zweit-Jobs zur Lebenssicherung nicht mehr nötig.

Die Studie des Pestel Institut finden Sie hier: Veränderungen der Arbeitswelt


[1]Veränderungen der Arbeitswelt; Matthias Günther Pestel Instituts; S. 9